radiohörer - der blog für radiofans
Donnerstag, 22. September 2011
"Der mit den Tönen tanzt"
Ein Porträt des Elektronik- Musikers und Sample- Spezialisten Jan Bang
Von Michael Engelbrecht
Jan Bang erzählte mir im Rahmen des 7. Punktfestival, Kristiansand folgendes zu einem speziellen musikalischen Erweckunsgerlebnis (mein Porträt von Jan Bang wird am 23. September in den JazzFacts des Deutschlandfunks um 22.05 Uhr, an einem Freitagabend, ausgestrahlt):

“Die Musik, die man als Teenager für sich entdeckt, hat einen enormen Einfluss auf die Dinge, die du später in der Musik suchst. Bestimmte Elemente einer Ästhetik des Hörens, die man in jungen Jahren unbewusst ausbildet, bleiben ein Leben lang erhalten. Die erste Musik, die mich immens berührte, lag weit abseits der Soulmusik und der Schwarzen Musik, die viel bei uns in Norwegen zu hören war – es war Musik von David Sylvian, sein Song „Red Guitar“ schlug mich vollkommen in Bann. Es befindet sich auf seinem ersten Soloalbum „Brilliant Trees“. Dann waren da auf dem Album auch Klänge von Holger Czukay und Jon Hassell und Danny Thompson. Die Musiker, die Sylvian immer wieder zusammenbrachte, inspirierten mich, eine neue Musik zu erträumen, die ein europäisches Erbe fortführte. So öffneten sich Türen. Die Tatsache, wie ich seit Jahren akustische Instrumente in mein Sampling einbaue, etwa auf Arve Henriksens Album „Cartography“, meinem Werk „ … and Poppies from Kandahar“, oder auch auf “Crime Scenes” von PUNKT, hat vielleicht etwas zu tun mit diesen alten, so geliebten Bassklängen eines Danny Thomson auf „Brilliant Trees“ – und immer wenn ich heutzutage mit hervorragen-den Musikern arbeite, kann ich Sampling und Live-Spiel kombinieren. Da bildet sich in vielen Dinge, die wir seit dem Beginn des Punktfestivals machen, eine neue Balance, zwischen Klänge, die elektronisch sind und sehr abstrakt – und den organischen Klängen eines frei improvisierenden Musikers.“