radiohörer - der blog für radiofans
Montag, 5. September 2011
Neues Digitalradio DAB+ "Abgeschaltet"
Liegt hier ein Eingriff in die Rundfunkeinheit vor? Dortmunds Digitalradios bleiben still, weil die Polizei es will. Die Ordnungshüter monieren, dass ihr Funkverkehr durch die neue Übertragungstechnik gestört wird. Der Intendant des Deutschlandradios schäumt.
Es ist die Frage, was denn nun wichtiger ist: die innere Sicherheit oder der öffentlich-rechtliche Bildungsauftrag? Die Dortmunder Polizei hält es für die bessere Alternative, am Wochenende in ihren Funkfrequenzen nicht gestört zu werden. Sie will ohne Rauschen und Knarzen mehrere Tausend Einsatzkräfte dirigieren, die wiederum demonstrierende Neonazis und deren Gegner auseinanderhalten sollen.

Willi Steul, der Intendant des Deutschlandradios, ist nicht grundsätzlich gegen Polizeieinsätze, aber der Fall geht ihm zu weit: "Es stellt sich die Frage, ob dies nicht bereits ein Eingriff in die Rundfunkfreiheit ist." Es hört sich so an, als ob Polizei und der Radiomann nicht auf einer Wellenlänge liegen - doch genau das tun sie, und damit beginnt das Problem.

Am 1. August wurde in Deutschland das neue Digitalradio DAB+ eingeführt, das bessere Qualität und mehr Programme verspricht. Die Frequenzen von DAB+ liegen aber nicht weit von denen des Polizeifunks.

Die Beamten hören nun in ihren analogen Funkgeräten oft nur Rauschen. Besonders drastisch ist der Fall in Dortmund, wo das Innenministerium bis Sonntag die neuen Digitalsender abschalten lässt, was den Chef des Deutschlandradios auf die Palme bringt. "In Dortmund liegen die Anlagen der Polizei und der Rundfunksender zu nah beieinander", sagt ein Sprecher der Bundesnetzagentur, die prüfen will, ob das Problem auch in anderen Städten existiert.

... von Von Bernd Dörries

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