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Freitag, 30. Oktober 2015
VINCENT PEIRANI & EMILE PARISIEN DUO: "BELLE ÈPOQUE"
Zwei Djangos können nicht irren. Beide Musiker wurden schon mit dem "Prix Django Reinhardt" geehrt, und nicht nur mit dieser renommierten Auszeichnung. Der Akkordeonist Vincent Peirani, Mitte 30, ist in Frankreich bereits seit zwei Jahren der Shooting Star der Jazzszene, etwa das, was Michael Wollny der hiesigen Gemeinde bedeutet. Ähnliches gilt für den Saxophonisten Emile Parisien, knapp über 30, der wie Peirani in den unterschiedlichsten musikalischen Zusammenhängen immer neue Lorbeeren erntet. Wenn bei Peirani gar von einem "Jahrhundert-Talent" geschwärmt wird, dann gehen der Presse da vielleicht ein bisschen die Gäule durch, aber wer ein Duo-Konzert der beiden erlebt hat, der kann in Anbetracht dieser überschäumenden Virtuosität und Spiellust gar nicht anders, als bislang unerreichte musikalische Dimensionen zu bescheinigen.
Die beiden wechseln ganz unverstellt mit schlafwandlerischer Intuition zwischen ätherischer Meditation und flirrender, geradezu rauschhafter Intensität. Ihre Zwiegespräche schaukeln sich nicht selten hoch zu hyperdynamischen Parforce-Ritten, wenn sich die beiden in eigenen Stücken austauschen oder sich vor Sidney Bechet und dessen "Egyptian Fastasy" verneigen, mit "Dancers In Love" bei Duke Ellington klingeln und Irving Mills mit "St. James Infirmary" einen Besuch abstatten. Ihre stupende Technik explodiert immer wieder. Aber nicht um ihrer selbst willen. Hier werden keine Geläufigkeits-Meisterschaften abgehalten, da geht ganz einfach der spielerische Enthusiasmus mit den beiden durch. Das fiebernde Sopransaxophon von Parisien zitiert ganz nebenbei alle möglichen Klang-Facetten von Bechet, Coltrane, Steve Lacy und Wayne Shorter – und legt dann immer noch etwas oben drauf. Peirani entlockt seinem "Wunderkasten" fortwährend neue Farben und Nuancen, die man auf einem Akkordeon noch nicht erlebt zu haben meint. Die große französische Akkordeon-Tradition von Richard Galliano und Jean-Louis Matinier wird hier aufgegriffen, weitergetragen und nicht selten überholt. Bei Autoreifen nennt man das Runderneuerung: danach greifen sie wieder gut, haben besondere Haftwirkung. Peirani und Parisien greifen musikalisch nach allem, was sie berührt, stilistisch und genrebezogen sind sie offen, frei von irgendwelchen Scheuklappen. Da greift eine fast musikantische und deshalb erfrischende Unbedarftheit – das passiert allerdings auf einem atemberaubenden musikalischen Niveau. VINCENT PEIRANI & EMILE PARISIEN DUO: "BELLE ÈPOQUE" In Flac Vincent Peirani | acc Emile Parisien | ss |