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Sonntag, 11. Juni 2017
"Dagan Ensemble" 26. Rudolstadt-Festival
26. Rudolstadt-Festival Stadtkirche St. Andreas Aufzeichnung vom 10.07.2016

Dagan Ensemble:
Elias Abboud, Perkussion
Basilius Alawad, Violoncello
Maher Alkadi, Violine
Saleh Katbeh, Ud
Youssuf Nassif, Kanun


„Dagan“ bedeutet in der altsyrischen Mythologie „Gott der Großzügigkeit“. Einen passenderen Namen hätte der in Deutschland lebende syrische Kanun-Virtuose, Komponist und Dozent Youssef Nassif für sein Quintett nicht finden können. Ein Ensemble, das Instrumente wie Cello und Geige mit Oud und Kanun - eine orientalische Kastenzither - vereint und in seinen Eigenkompositionen großzügig verschiedener multikultureller Inspirationen bedient.
Offen für verschiedene Stile und Spielweisen, hat das Dagan Ensemble im vergangenen Jahr beim Rudolstadt-Festival nicht nur im Musik-Theaterprojekt „Arche Noah reloaded“ mitgewirkt, sondern auch ein eigenes Konzert in der ausverkauften Stadtkirche gegeben. Dabei überzeugten die fünf Musiker mit interessanten Eigenkompositionen, interpretiert mit einer glanzvollen, klangschönen Virtuosität, die auch der soliden klassischen Musikausbildung der Künstler geschuldet ist. Immerhin haben sie an der Musikhochschule in Damaskus studiert, kamen dann nach Deutschland und wirken seitdem in verschiedenen musikalischen Ensembles mit.
Dagan Ensemble

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Chico Freeman & Heiri Känzig Duo + Tia Fuller Trio
Das Jazzfestival im österreichischen Leibnitz hat mittlerweile eine große internationale Ausstrahlung. Das Programm ist stets vorzüglich und besondere Höhepunkte im vergangenen Herbst waren die Auftritte des Saxofonisten Chico Freeman und seiner Kollegin Tia Fuller, die mit ihren jeweiligen Bands besonders starke Akzente setzen konnten.

Der US-amerikanische Saxofonist Chico Freeman wurde 1949 in Chicago geboren und kann eine beeindruckende Karriere vorweisen. Er fand ab Mitte der 70er Jahre seine künstlerische Heimat in der lebendigen Loft-Szene von New York. Wegen seines facettenreichen und pulsierenden Spiels war er schnell sehr gefragt und die Liste seiner Einspielungen und Engagements nahm beeindruckende Ausmaße an. Dabei trat er auch immer wieder zusammen mit seinem, ebenfalls Saxofon spielenden, Vater Van Freeman auf. Hervorzuheben sind zudem die All-Star-Bands, die Freeman zum Teil mitgegründet und entscheidend geprägt hat, darunter die "Leaders" und "The Roots". Aktuell spielt er vor allem mit seinem eigenen Quartett, aber auch – wie in Leibnitz - mit dem österreichischen Bassisten Heiri Känzig in einem sehr geschmackvollen Duo.

Tia Fuller, Jahrgang 1976, stammt aus einer anderen Generation als Chico Freeman. Die US-Amerikanische Saxofonistin wurde durch die Zusammenarbeit mit der Bassistin und Grammy-Gewinnerin Esperanza Spalding einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Zuvor war sie bereits mit der R&B-Sängerin Beyoncé durch die Welt getourt. Seit einigen Jahren fokussiert sich Tia Fuller nun aber vor allem auf ihre eigene Band, mit der sie im Herbst 2016 dann auch in Leibnitz zu hören war. Begleitet nur von Bass und Schlagzeug gibt es in ihrem Trio kein Harmonieinstrument, was Tia Fuller als eine schöne Herausforderung begreift und mit ihrer flexiblen Spielweise auf musikalische Entdeckungsreise gehen kann.

Chico Freeman - Heiri Känzig
Chico Freeman, Saxofon
Heiri Känzig, Bass
Aufzeichnung vom 13.10.2016

Tia Fuller Trio
Tia Fuller, Saxofon
Ivan Taylor, Bass
Joe Dyson, Schlagzeug
Aufzeichnung vom 15.10.2016

Chico Freeman & Heiri Känzig Duo + Tia Fuller Trio

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"Sarah Lesch" 10. Songtage Gera
10. Songtage Gera "Puppentheater" Aufzeichnung vom 06.04.2017

Sarah Lesch gehört zu jenen deutschsprachigen Liedermacherinnen, die sich mit ihren nicht selten gegen den Strich gebürsteten, provokanten wie brisanten Liedern einen festen Platz in der hiesigen Liedermacherszene erobert haben und - mit einigen männlichen Kollegen - in den letzten Jahren eine radikale Verjüngung der in die Jahre gekommenen Zunft herbeiführten.
1986 im thüringischen Altenburg geboren, wuchs Sarah Lesch in Nordrhein-Westfalen auf. Sie arbeitete als Kindergärtnerin und verschrieb sich dann ganz dem Liedermachen. Später ging sie nach Leipzig. Erfahrungen in einem sich wiedervereinenden Land, aus denen Lieder und Geschichten wurden. 2012 gelang Sarah Lesch mit dem Debütalbum 'Lieder aus der schmutzigen Küche' ein Überraschungscoup: Frische Lieder mit forschenGedanken und eigener Poesie, abseits der zahlreichen Liedermacherklischees, dafür mit unverwechselbarem Stil. Begleitet von Gitarre, Bass und Ukulele ein bisschen punkig zuweilen und oft auch quer gedacht. Von Popattitüden allerdings keine Spur. Zahlreiche Auszeichnungen folgten und 2015 erschien mit 'Von Musen und Matrosen' Album Nummer zwei. Nahtloser kann ein Album nicht anschließen. 2016 dann der „Ritterschlag“ mit dem 2. Preis beim Panik-Liederpreis Udo Lindenbergs und mediale Aufregung, als rechte Plattformen im Netz das Lied "Testament“ für sich instrumentalisieren wollen. Ein Lied, das Sarah Lesch ihrem Sohn gewidmet hat und in seiner Ausstrahlung oft mit dem Bettina Wegner-Klassiker „Kinder“ (Sind so kleine Hände) verglichen wird. Bei ihrem Konzert in Gera stellte die Liedermacherin auch Songs ihres neuen, noch unveröffentlichten Albums vor.
Sarah Lesch

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"Spielerischer Tanz zwischen den Stilen" Die Saxofonistin und Komponistin Alexandra Lehmler
Von Anja Buchmann
Natürlich lässt sich die Musik von Alexandra Lehmler nicht ausschließlich auf ihre Liebe zu Frankreich und zum französischen Jazz reduzieren. Aber insbesondere auf ihrem aktuellen, fünften Album 'Sans Mots' - u.a. mit Schlagzeuger Patrice Heral und Vibrafonist Franck Tortiller - zeigt sie nicht nur durch die Kollegen ihre Verbindung zum Nachbarland: Die Saxofonistin schätzt die durchlässigen Genregrenzen im französischen Jazz, die sie auch für sich selbst beansprucht; ihre Musik erinnert manchmal an die von Klarinettist Louis Sclavis geprägte französische Folklore Imaginaire, liebäugelt aber auch mit Latin, Swing und Rock. Transparenz, Melodiösität und knackige Grooves finden sich in Lehmlers Kompositionen, die sie vielseitig und mit klarem Sound auf Sopran-, Alt- und Baritonsaxofon darbietet.
Die Gewinnerin des Jazzpreises Baden-Württemberg 2014 ist in der UDJ (Union Deutscher Jazzmusiker) aktiv, hat einige Jahre den Neuen Deutschen Jazzpreis organisiert und bespielt regelmäßig die Bühnen Deutschlands und Europas. Dabei tritt sie in Quintett-, Quartett- und Duo-Besetzungen auf, gern auch mit ihrem musikalischen wie privaten Partner, dem Bassisten Matthias Debus.
Alexandra Lehmler

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"Klarheit und Raffinesse" Die Pianistin und Komponistin Julia Hülsmann im Gespräch mit Thomas Loewner
Auf Julia Hülsmann ist Verlass: Seit Jahren produziert die Pianistin und Komponistin Musik von großer melodischer Schönheit und rhythmischer sowie harmonischer Tiefe. Ihre Inspirationsquellen sind vielfältig: Immer wieder haben etwa Texte bekannter Lyriker und Lyrikerinnen den Anstoß zu Songprojekten gegeben. Einmal hörte sie auf einer Konzertreise nach Kirgisien eine Melodie von einer jungen Geigerin, die ihr nicht mehr aus dem Kopf wollte - und die sie dann in reharmonisierter Form auf ihre aktuelle CD ‚Sooner And Later‘ brachte.
Für die Aufnahmen ihrer Alben hat Hülsmann mit wechselnden Musikern zusammengearbeitet, so beispielsweise mit dem britischen Trompeter Tom Arthurs - eine von besonderer musikalischer Seelenverwandtschaft geprägte Kooperation. Den Kern der meisten Produktionen von Julia Hülsmann bildet ihr langjähriges Trio mit dem Kontrabassisten Marc Muellbauer und Heinrich Köbberling am Schlagzeug. Sie sind längst weit mehr als wohlvertraute Mitspieler, denn mit ihren eigenen Kompositionen tragen sie ebenso zum fein ausbalancierten Sound der Band bei, wie die Pianistin selbst.
Julia Hülsmann

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"Harmoniker mit vier Schlägeln" Ein Porträt des Vibraphonisten Dierk Peters
Von Odilo Clausnitzer
"Vibraphonisten sind nicht meine Helden", sagt Dierk Peters, einer der wenigen profilierten Vibraphonisten der aktuellen deutschen Jazzszene, "ich orientiere mich vor allem an Pianisten." Begonnen hatte der gebürtige Niedersachse als Schlagzeuger, bevor er sich mit 17 für das Metallplatteninstrument mit dem charakteristisch kühlen Sound entschied. Begeistert hatte ihn daran zunächst der perkussive Aspekt - aber heute, so sagt er, fasziniert ihn der pianistische Zugang dazu, und er sieht es als das schönste Harmonieinstrument überhaupt. Seit zehn Jahren lebt Peters in Köln, wo er 2012 sein Studium mit Auszeichnung abschloss und zu einem gefragten Sideman wurde. Zu seinen festen Projekten gehören das Quintett Offshore, das er gemeinsam mit dem Pianisten Constantin Krahmer leitet, und die Band Botter, für die er zusammen mit dem Saxofonisten Julian Ritter auch komponiert. Im Rahmen von Produktionen mit Niels Klein, Heiner Schmitz und Florian Rynkowski war er schon mehrfach im Deutschlandfunk Kammermusiksaal zu Gast. Für sein Spiel erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Sondersolistenpreis beim internationalen Jazzwettbewerb Burghausen.
Dierk Peters

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Donnerstag, 25. Mai 2017
"Zoe Rahman" Konzertmitschnitt vom 15. März 2017, Moments, Bremen
Erstmals war die britische Pianistin 2013 auf der Jazzahead in Bremen. Nun kehrte sie im Rahmen des diesjährigen "Women in emotion"-Festivals zurück und begeisterte Publikum und Presse mit ihrem Auftritt im Bremer Moments.
Dreamland
Piano solo: Das ist ohne Zweifel eine der Königsdisziplinen im Jazz. Den gestalterischen Freiheiten steht die Herausforderung gegenüber, mit jedem Ton, mit jedem improvisierten Moment Schritte ohne Netz und doppelten Boden zu wagen. Für Zoe Rahman ist das seit geraumer Zeit ein Unterfangen mit anhaltendem Reiz. Im Oktober 2015 ging die Pianistin aus London ins Studio und nahm "Dreamland" auf, das erste Solo-Album ihrer Karriere. Der Großteil der Kompositionen stammt von ihr. Die Auswahl der Fremdtitel, die sie eingestreut hat, sagt bereits etwas über ihre Haltung als Jazz-Frau.

Stücke von Duke Ellington und Abdullah Ibrahim sind darunter, aber auch Themen ihrer Jazz-Kollegin Jessica Williams aus den USA und des bengalischen Philosophen, Malers und Musikers Rabindranath Tagore. Mit der Jazztradition hat sich Zoe Rahman intensiv auseinandergesetzt. Gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Idris, mit dem sie bis heute gelegentlich zusammenspielt, hatte sie als Teenager begonnen, sich für Jazz zu interessieren.

Piano solo
Aufgewachsen war sie in einem musikinteressierten Elternhaus in Chichester im englischen Süden. Der Vater stammt aus Bangladesh, die Mutter ist irisch-englischer Abstammung. Zoe Rahman studierte Musik in London und Oxford. Ebenso wichtig war die Zeit am Berklee College of Music, der bedeutendsten Jazz-Ausbildungsstätte in den Staaten. Dort gehörte Joanne Brackeen zu ihren LehrerInnen, eine der großen Pianistinnen des zeitgenössischen Jazz. Wie überhaupt viele Frauen zu den Leitbildern der Engländerin wurden.

Seit 2001 veröffentlicht Zoe Rahman regelmäßig eigene Alben. Außerdem spielt sie in Gruppen von Kolleginnen und Kollegen, darunter so klingende Namen wie Saxophonist Courtney Pine. Auch mit Tanz- und Theater-Companies arbeitet sie gelegentlich zusammen. In Großbritannien zählt Rahman zu den hoch angesehenen Persönlichkeiten des aktuellen Jazzgeschehens. In Bremen war die Britin, die heute Mutter eines knapp dreijährigen Sohnes ist, erstmals 2013, damals als Gast der internationalen Jazzmesse jazzahead. Jetzt kam sie exklusiv zu einem Soloabend im Rahmen des "Women in emotion"-Festivals.
Zoe Rahman

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Samstag, 20. Mai 2017
Großes Update !!!
Hallo zusammen !

Wieder ein großer und ich meine wirklich großer Update der Mitschnitte !!!
Viel spass und zeit bein anhören !!!

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Bernard Herrmann "Komponist zwischen Filmstudio und Konzertsaal"
Bernard Herrmann, 1911 als Sohn von ukrainischen Einwanderern in New York geboren, gilt unter Kennern als einer der ganz Großen unter den Filmmusik-Komponisten des 20. Jahrhunderts.
Mit Benjamin-Gunnar Cohrs
Doch Herrmann hat sich lebenslang als Dirigent nicht nur für Meisterwerke unbekannterer Komponisten eingesetzt; er hat auch selbst zahlreiche Werke für den Konzertsaal geschrieben, die seinerzeit auch von anderen Dirigenten wie Leopold Stokowski, Eugene Ormandy, Sir Thomas Beecham oder Sir John Barbirolli geschätzt und aufgeführt wurden - darunter eine Sinfonie (1941), eine Sinfonietta für Streicher (1935) und eine Kantate Moby Dick (1937).

Heute sind diese Werke ebenso selten zu hören wie seine einzige große Oper Wuthering Heights (1951). Herrmann wurde freilich weltberühmt mit seinen Musiken zu Orson Welles' realistisch-bedrohlichem Hörspiel Krieg der Welten (1938) und zu dessen Film Citizen Kane (1941). In den 40er- und 50er-Jahren avancierte er dann zum bevorzugten Komponisten von Alfred Hitchcock. Er komponierte und dirigierte, bis er 1975 starb; sein letzter Soundtrack war der zu Taxi Driver von Martin Scorsese.
http://xb187.xb1.serverdomain.org/radio/musik/BernardHerrmann.mp3
© SWR 2, Klassiker, 17.5.2017

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Mord, Verbrechen, Kunst "Wenn ich das Wort Kultur höre, entsichere ich meinen Browning"
Die schönsten Leichen, die größten, brutalsten und sinnlosesten Morde und deren völlig unmoralische Feier als Kunstwerk durch den ganz ansonsten unverdächtigen Autor Andreas Ammer!
http://cdn-storage.br.de/MUJIuUOVBwQIbtChb6OHu7ODifWH_-bf/_-OS/_AbG_-xp9U1S/06233e62-18fd-4f60-b610-efc11e631aac_3.mp3

Niemand geringerer als der spätere Präsident der Reichsschrifttumskammer legt seinem Dramenhelden Schlageter den martialischen Satz "Wenn ich das Wort Kultur höre, entsichere ich meinen Browning" in den Mund.
Was aber im Faschismus als populistische Verdammung der Kultur gelesen wird, ist umgekehrt seit langem fester Bestandteil der Kulturproduktion: Der Mord, das Verbrechen, besitzt eine gefährliche Nähe zum Kunstwerk. Darf man, wenn ein Mord passiert ist, daraus Kunst machen?
Sagen darf man das nicht unbedingt: Der Avantgardekomponist Karlheinz Stockhausen hatte 2001 mit einem Schlag seine ganze Reputation verspielt, als er die Anschläge auf das World Trade Center als "das größte Kunstwerk, was es je gegeben hat", bezeichnete. W. S. Burroughs hingegen hat seine Frau erschossen, als er ein Whiskeyglas treffen wollte, das diese auf ihrem Kopf balancierte. Erst danach wird der Mörder zum Dichter. Kunst ist dann oft das Produkt.
Aus den Hitparaden bekannt ist das Eintreten des späteren Literaturnobelpreisträgers Dylan für die Schicksale der ermordeten Hattie Caroll oder des zu Unrecht verurteilten Hurricane Carter - zwei Beispiele, in denen Mord - so wie es de Quincey in seinem notorisch bekannten Essay gefordert hatte - zur schönen Kunst geworden ist.
Am poetischsten ist der Mord natürlich, wenn er misslingt: Wenn der französische Dichter Verlaine seinen Liebhaber mit dem Revolver nicht nur ins Bein getroffen hätte, sähe die Literaturgeschichte heute anders aus. - Der Rest ist Krimi.

Von Andreas Ammer
BR 2017

© Bayern 2, Nachtstudio, 16.5.2047

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