radiohörer - der blog für radiofans
Freitag, 13. Februar 2015
"Terror als Text" Über den Zusammenhang von Kunst und politischer Gewalt
Von Jan Drees
"Das war das größte Kunstwerk, das es je gegeben hat." Mit diesen abscheulichen Worten reagierte der Komponist Karlheinz Stockhausen auf die Terroranschläge von 9/11 in New York. Die Empörung war exorbitant. Doch es gibt einen Zusammenhang zwischen Kunst und Terrorismus, der seit einiger Zeit genauer untersucht wird. Was bedeutet diese unheilvolle Allianz?
"Es gibt in meinem Buch einen Satz, der mehrfach wiederkommt und umgedreht wird. Der heißt eigentlich ‚Phantasie ist eine der schlimmsten Möglichkeiten des Terrorismus’ . Kluges, strategisches Denken. Aber dieser Satz lässt sich umdrehen: 'Terror ist eine der schlimmsten Möglichkeiten der Phantasie.' Er kommt also aus dem Vermögen, in den berühmten Musilschen Möglichkeitsräumen zu denken, sich fiktive Szenarien auszudenken, jenem Vermögen, aus dem auch das Erfinden von Fiktion, das Schreiben von Romanen resultiert. Man sieht sozusagen, wie eine Möglichkeit sich wenden und in verschiedene Richtungen bewegen kann." Ulrike Draesner über ihren Roman "Spiele"
Generator-Autor Jan Drees macht sich nach den Terroranschlägen in Paris auf die Suche nach dem Zusammenhang von Terrorismus und Kunst. Er besucht den bald 75-jährigen Schriftsteller Uwe Timm in dessen Münchner Wohnung - und spricht mit ihm über die '67er-Revolte, die RAF und das Schreiben mit Blick auf die Schusswaffe. Er diskutiert mit Bestsellerautorin Ulrike Draesner über die Geburt des internationalen Terrorismus und den Anschlag auf die israelische Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Er spricht mit dem jungen Geisteswissenschaftler Michael König, der gerade einen Band über "Die Poetik des Terrors" vorgelegt hat und fragt mit dem Siegener Professor Thomas Hecken nach der Verbindung von "Avantgarde und Terrorismus". Eine Stunde über politische Gewalt, Terrorliteratur und ein perfides Narrativ, das die amerikanische Politik nach 9/11 etabliert hat und das von Orson Welles' Hörspiel "The War of the World" direkt in das Gefangenenlager von Guantanamo auf Kuba führt.
Terror als Text

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Mittwoch, 11. Februar 2015
"Old-fashioned Future" Newcomer 2015 und ihre Vorbilder
Mit Thomas Mehringer

Die Nachtsession packt die Newcomer des Jahres 2015 aus und verquickt sie mit ihren Einflüssen. Das wird keine reine Newcomer-Nachtsession, den hier treffen Jungspunde und Idole aufeinander: Leon Bridges trifft Sam Cooke, Zucker treffen die Ramones, das Duo Bob Moses trifft den Jazzer Bob Moses. Zwei Stunden old-fashioned Future in der Bayern 2 Nachtsession.
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Old-fashioned Future

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Dienstag, 10. Februar 2015
"Cowboys International" Musik von Chris Smithers bis James Taylor
Mit Karl Bruckmaier

Im Fasching channelled ein jeder seinen inneren Cowboy. Und für manche ist das ganze Jahr Fasching, sei es für uns Gelegenheitsamerikaner, die wir gern traurige Lieder wie die von Chris Smithers hören, sei es für kalifornische Country-Träume, wie sie Cracker gerade wieder formulieren (die ja nicht einmal Kalifornier sind, aber so tun als ob) oder (anders) James Taylor, oder, mein Gott, man ist wirklich ein psychopathischer Texaner, der auf offener Straße erschossen wird: Blaze Foley weiß davon kein Lied mehr zu singen!
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Cowboys International

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Juan Allende-Blin „Wunde am Ende der Zeit“
Der Radiokomposition „Wunde am Ende der Zeit“ über den bitteren Nachhall des Krieges legt der in Essen lebende, chilenische Komponist und Radiomacher Juan Allende-Blin (* 1928) zwei Gedichte zu Grunde: „Wunde“ von August Stramm und „Am Ende der Zeit“ von Rose Ausländer. Der Expressionist August Stramm starb im Schützengraben des Ersten Weltkriegs. Aus seinem posthum erschienenen Gedichtband „Tropfblut“ entstammt das Gedicht „Wunde“. Rose Ausländer überlebte die systematische Vernichtung durch die Nazis im Ghetto Czernowitz und dichtete eine Poesie der zerbrochenen Sehnsucht. Konfrontiert werden die Gedichte mit internationalem O-Tonmaterial aus Radioreportagen von den Schlachtfeldern des 20. und 21. Jahrhunderts sowie kontrapunktiert mit neuen instrumentalen und vokalen Texturen. Mitwirkende sind Fritz Lichtenhahn, Silvia Weiss, Evelin Degen, Andreas Roth, Raimund Adamsky und Juan Allende-Blin.
Wunde am Ende der Zeit

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"The Birth Of A Band" Quincy Jones' frühe Big-Band-Aufnahmen
Von Odilo Clausnitzer
Vom bettelarmen jugendlichen Straftäter zum allseits geehrten "nationalen Kulturgut": Die Biografie von Quincy Jones liest sich wie ein Märchen. Wie kaum ein anderer hat er nicht nur Jazz-, sondern amerikanische Musikgeschichte geschrieben. Er begann als Trompeter, wurde Arrangeur, Komponist, Big Band-Leiter, Plattenboss und Hitproduzent. Er machte Bebop und Hip Hop, er schrieb Filmmusiken, erhielt einen Oscar und war das Mastermind hinter der bisher erfolgreichsten LP, Michael Jacksons "Thriller". Quincy Jones' Name ist eine Marke, er selbst wurde eine Ikone des Show Business.
Einige seiner frühesten Platten machte er in den Jahren 1959 bis 1961 als Leiter einer brillanten Big Band. Darin saßen bedeutende Jazzmusiker wie Clark Terry und Phil Woods. Die Erlebnisse mit diesem Orchester - von der hoffnungsvollen Gründung über eine einjährige Tour kreuz und quer durch Europa bis zur schliesslichen Insolvenz - führten Jones und seine Kollegen an körperliche und psychische Grenzen. SWR 2 Jazztime erzählt seine abenteuerliche Geschichte.
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"Boojum" Von Ergo Phizmiz
Ein Musiker blickt zurück auf sein Leben. Das kommt vor. Ungewöhnlicher ist die posthume Perspektive auf das eigene Spätwerk. "Boojum" - die SciFi-Memoiren des britischen Experimentalmusikers Ergo Phizmiz.
Dieser reflektierte zuletzt im Hörstück "Disappearing Boxes" seine Vergangenheit als jugendlicher Opernkomponist. In der autobiografischen Zukunftsvision "Boojum" beobachtet Ergo Phizmiz seine eigene weitere Karriere, aber auch die dramatische technologische und gesellschaftliche Entwicklung der Jahre 2010 bis 2043. Zentrale Quelle dieser Klang-Memoiren aus der Zukunft sind riesige Festplatten mit Audio-Daten, die nach dem Tod des Komponisten gefunden werden: Sie sind gefüllt mit Musik, die beim Hören verschwindet.

Ergo Phizmiz wurde 1980 geboren. Nach bewegter Jugend als Opernkomponist und Komiker erregten seine Audiocollagen das Interesse des BBC-DJs John Peel. Phizmiz ist Produzent experimenteller elektronischer Musik, Schriftsteller und bildender Künstler.
Boojum In Flac
Realisation: Ergo Phizmiz
Produktion: WDR 2013

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"Cool Britannia" Innovatives aus dem Vereinigten Königreich
Mit Thomas Meinecke

Heute gibt’s eine Sendung mit innovativen Tonträgern aus dem Vereinigten Königreich, genauer London: Post Dubstep R&B mit Future Brown, FKA Twigs und Inga Copeland, daran anknüpfende ganz neuartige Liedkunst von Dean Blunt, süßlich abstrakter Independent Pop des Duos Gentle Friendly, Neuem und Altem von The Monochrome Set sowie zwei völlig unterschiedlichen House-Ableitungen von Moiré und DJ Haus.
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Cool Britannia

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"Der lange Atem" Drone Sounds in der experimentellen Improvisation
Von Julia Neupert
Der Begriff der "Drone music" steht für lange, stehende, dröhnende Sounds. Das künstlerische Interesse liegt hier nicht vorrangig auf der horizontalen Entwicklung eines musikalischen Themas, sondern auf der Herausarbeitung des vertikal Komplexen. Es ist eine Konzentration auf feinste tonale Reibungen, auf die kaum wahrnehmbare Bewegung in vermeintlich statischen dynamischen Prozessen und auf die hypnotische Wirkung der zeitlichen Ausdehnung. In jüngster Zeit haben immer wieder auch Improvisatorinnen und Improvisatoren die Drones für sich als Stilmittel oder sogar Konzept entdeckt - auch, aber nicht nur im Kontext der elektronischen Musik.
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Jazz Talk: Alexander und Vincent von Schlippenbach
von Nabil Atassi
Gemeinsam sind Alexander und Vincent von Schlippenbach zu Gast im Jazz Talk und sprechen über Musik, Improvisation und ihre Entwicklung über zwei Generationen.
Der Vater ist einer der wegweisenden deutschen Pianisten der Jazz-Moderne. Alexander von Schlippenbach prägte den Free Jazz in Deutschland wie nur wenige andere. In zahlreichen Tourneen entwickelte er diesen Stil und trug seine Musik in die ganze Welt. Neue Klänge und Harmonien in die Musik zu bringen, das war schon früh der rote Faden in seinem Werk. Die Zahl seiner Einspielungen und Projekte ist kaum zu überschauen und sein "Globe Unity Orchestra" bereits Legende.
Die Reise geht weiter
Der Sohn wuchs mit der improvisierten Musik des Vaters auf und entwickelte schnell seinen eigenen Stil. Als "DJ Illvibe" legte er für die Berliner Dancehall Band "Seeed" auf und ist heute einer der angesagten DJs der Hauptstadt. Der Einfluss aus der Kinderstube aber blieb: Vincent von Schlippenbach ist immer auch in Sachen improvisierter Musik aktiv. Zusammen mit seinem Vater und dessen Lebensgefährtin Aki Takase veröffentlichte er 2005 das Album "Lok 03". In der Band "Christopher Rumble" entwickelt er gemeinsam mit Schlagzeuger Demian Kappenstein die improvisierte Musik unserer Tage weiter.
Alexander und Vincent von Schlippenbach

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Samstag, 7. Februar 2015
"Die Musik von Morgen 5.2.2015"
Neue Alben von The Notwist, Father John Misty und Peace
Mit Michael Bartle

Wie jeden Donnerstag der unschlagbare Service im Nachtmix: Ein Überblick über die wichtigsten Neuerscheinungen der kommenden Woche - sortiert, gelobt, verrissen und eingeordnet von Michael Bartle. Und in der kommenden Woche kehrt bei auffallend vielen Künstlern der Blues in unterschiedlichen Spielarten zurück - staubtrocken bei Duke Garwood, leicht geschwollen bei Father John Misty garagig bei PEACE und knackig bei Blake Mills.
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Die Musik von Morgen 5.2.2015

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