radiohörer - der blog für radiofans
Dienstag, 15. Dezember 2015
Reibe deine Seele - 50 Jahre Rubber Soul
Von Klaus Walter

Auf dem Cover war neben dem Titel nur eine seltsam verzerrte Photographie der vier Musiker zu sehen. Dass die abgebildete Band "The Beatles" hieß, konnte man im Weihnachtsgeschäft 1965 als bekannt voraussetzen.
Heute, 50 Jahre später, gilt "Rubber Soul", das sechste Studioalbum der Beatles, nicht nur als Wendepunkt in der Entwicklung des Beatles-Sound, sondern auch als Meilenstein der Popgeschichte. Die Platte hat viele Musiker inspiriert und ist in den letzten Jahrzehnten immer wieder neu gedeutet worden. Niemand ist dabei aber wohl so weit gegangen wie der 1955 geborene Schriftsteller Frank Witzel, der "Rubber Soul" gleich zwei Kapitel in seinem hochgelobten, aktuellen Roman "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" widmet. Klaus Walter lässt uns mit Frank Witzel in die Wirkungsgeschichte(n) der 14 Beatles-Tracks eintauchen.
Reibe deine Seele - 50 Jahre Rubber Soul

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"Die Ankunft der schwachen Impulse" Von 48nord
Eine akustische Reflexion über die realen und imaginären Resonanzräume unserer Gesellschaft: Utopien, Dystopien, Heterotopien.
Klang braucht Raum, um sich zu entfalten. Das Künstlerkollektiv 48nord startet eine akustische Reflexion über die realen und imaginären Resonanzräume unserer Gesellschaft: Utopien, Dystopien, Heterotopien. Während im Hintergrund die ersten Ufos landen, betreten wir Michel Foucaults Theoriegebäude und flanieren durch Andrei Tarkowskis Zone. Im Zentrum die dialektische Verschränkung von Innen und Außen: Klangzustände im Neben- und Übereinander. Ausklingen. Einschwingen. "Das ist der stillste Platz der Welt. Sie werden es noch selber sehen. Hier ist es so schön. Hier, hier ist ja niemand." (Arkadi und Boris Strugatzki)

48nord sind ein Künstlerkollektiv bestehend aus den Experimentalmusikern Ulrich Müller, Siegfried Rössert und Patrick Schimanski. Für Deutschlandradio Kultur: 'Terminus' (2005).
Die Ankunft der schwachen Impulse

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Montag, 14. Dezember 2015
"Americana 2015" Neuerscheinungen und Rückblicke
Mit Jay Rutledge

Die Grammies werden uns in dieser Sendung beschäftigen und jede Menge Grenzgänger zwischen Country, Blues, Soul ja sogar Cumbia. Los Lobos aus East LA spielen sich auf ihrem aktuellen Album durch Latinrock, Cumbia und 70ies Hippie Rock. Son Little aus New York wandert mit James Blake im Gepäck an den Ufern des Mississippi, Indiefolksängerin Frazey Ford erfüllt sich einen Traum und spielt endlich waschechten Soul und The Punch Brothers lieferten Anfang des Jahres mit ihrem Album 'Phosphorecent Blues' sowieso einfach ab worauf sie gerade Lust hatten.
Americana 2015

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Sonntag, 13. Dezember 2015
„Ich bin wie ein Satellit!“ Ein Porträt des Schweizer Posaunisten Samuel Blaser
Von Karsten Mützelfeldt
Man mag über Musikerwitze lachen oder auch nicht. Wir fragen nach - bei einem Posaunisten, erfahren in der Kunst, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, der gerne und viel lacht (und selbst die zahlreichen Wortspiele mit seinem Nachnamen mit Humor nimmt). Was zeichnet seine Instrumentalfraktion besonders aus? Samuel Blaser bescheinigt den Kollegen gleich Mehreres: Entweder groß und schmächtig oder klein und untersetzt von Statur, seien sie im Vergleich zu anderen Instrumentalisten häufig besser organisiert und ausgesprochen initiativ, interessante Komponisten und dem irdischen Leben und seinen Freuden stets zugewandt. Charakterisierungen, die auf den Schweizer Wahl-Berliner, der mehrere Jahre auch in New York verbrachte, allemal zutreffen. Wenn er sich selbst mit einem Satelliten vergleicht, dann mindestens aus zweierlei Gründen: Der heute 34-Jährige ist zum einen ein Dauerreisender, zum anderen ein Freigeist, der sich von unterschiedlichsten Musikwelten angezogen fühlt. Mittelalterliches und Barockmusik faszinieren ihn genauso wie Strawinsky und Neue Musik, Jimmy Giuffre, Blues, Fusion und Free Jazz. Samuel Blaser arbeitet viel mit französischen Improvisatoren wie dem Pianisten Benoit Delbecq oder dem Gitarristen Marc Ducret, eine besonders enge Beziehung verbindet ihn mit Schlagzeugern wie Paul Motian, Pierre Favre, Gerry Hemingway oder Jonas Burgwinkel, mit denen er des Öfteren auch im Duo aufgetreten ist. Das 'Jazzfacts'-Porträt lädt den Hörer ein - ins Universum eines erklärten Satelliten.
Samuel Blaser

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Samstag, 12. Dezember 2015
"Broken Music" Neues aus dem Grenzgebiet zwischen Rock, Jazz und Elektronik
Mit Harry Lachner

Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre wurde Milan Knizak kurzzeitig für sein Konzept der "Broken Music" bekannt. Jedenfalls in den engen Zirkeln zeitgenössischer Kunst und experimenteller Musik. Knizak verwendete das Vinyl als Collage-Material: er klebte zerschnittene Schallplatten zu neuen "Tonträgern" zusammen, behandelte das schwarze Material teilweise wie eine Leinwand: er applizierte darauf Farbspritzer, Abklebungen usw. Fast wehmütig erinnert man sich an diese alt-analoge Experimentierlust und das Risiko des unerwarteten Scheiterns. Spricht man heute von "gebrochener Musik", dann sind es in erster Linie computergestützte Klang-Collagen - oder die Versuche, eine sedierende Kontinuität (alle Kontinuitäten schläfern ein) aufzubrechen. In diesen Rissen, diesen imaginären Schnittstellen (man könnte auch von Wunden sprechen) kann sich jetzt so etwas wie Leben ansiedeln. Die Kunst als Wundbrand - um beim Bild des Schnitts zu bleiben. Einige der Musiker in dieser Nachtsession setzen dieses alte Prinzip der "Broken Musik" mit neuen Mitteln um - etwa das Duo Geins't Naït und Laurent Petitgand, Jim O'Rourke oder David Newman alias Autistici. Es ist keine "Broken Music" im Sinne Knizaks, eher eine Form des Brüchigen, Durchlässigen. Ein Ort, wo Partikel spielerisch zusammenfinden. Dazu gebt es noch Beispiele von Sunn O))), Rocket From The Tombs und Wolf Eyes, die zeigen, wie sich das Selbstverständnis der Rockmusik mit vergleichsweise subtilen Angriffe aushebeln und relativieren lässt.
Playlist
Broken Music

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Mittwoch, 9. Dezember 2015
"Magic Cister" Das exklusive Solistenkonzert des "Magie-Projektes"
25. TFF Rudolstadt
Stadtkirche, Aufzeichnung vom 04.07.2015
Pedro Caldeira Cabral - Guitarra Portuguesa
Cristóbal Rentero Cordero - Bandúrria, Laúd
Donal Lunny - Irish Bouzouki, Gitarre
Doc Rossi - Cittern, Cetera, English Guitar
Simon Stålspets - Nordische Mandola
Wolfgang Meyering - Flachmandoline, Waldzither, Gesang
Michael Waterstradt - Kontrabass
Valentin Arnold - Percussion, Flöte
Magic Cister
Gäste:
Jürgen B. Wolff - Waldzither, Gesang
Jochen Wiegandt - Waldzither, Gesang

Moderation: Holger Beythien
Als 'kleine Schwester der Laute' ist die Cister in die Musikgeschichte eingegangen. Eine Instrumentengruppe in der Familie der Kastenhalslauten, die seit der Renaissance in vielen Kulturen ihre Ableger fand. Noch heute sind diese in nahezu allen Bereichen der Musik anzutreffen. Einige der gegenwärtig populärsten Cister-Instrumente stellte das diesjährige tff in seinem 'Magie-Projekt' vor. Dazu wurden herausragende Virtuosen aus Portugal, Spanien, Irland, den USA, Schweden und Deutschland eingeladen. In einem knapp einwöchigen Probenmarathon erarbeiteten sie ein Konzertprogramm, das nur während des Festivals aufgeführt wurde. Unterstützt von Kontrabass und Percussion erklangen in vorher nie gehörter Konstellation Portugiesische Gitarre, Irish Bouzouki, Laúd und Bandúrria, English Guitar, Flachmandoline, Waldzither und die Nordische Mandola als 'Zupfoktett', in kleineren Gruppen und solistisch. Ein beeindruckendes wie einzigartiges Konzerterlebnis und zugleich ein würdiger Abschluss der 'Magie-Projekte' insgesamt, die seit 25 Jahren Deutschlands größtes und wichtigstes Welt-, Folk- und Rootsmusikfestival maßgeblich geprägt haben und bedauerlicherweise als kontinuierliche Reihe ab 2016 eingestellt werden.

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Jazzfacts vom 3.12.2015
Neues von der Improvisierten Musik

Deutschlands „First Lady Of Jazz“ in der Rückschau: Die Jutta Hipp-Gesamtausgabe
Klangforschung am präparierten Klavier: Philip Zoubeks Solo-CD „Air“
Modernisten mal traditionell: Nils Wograms „Root ’70“ spielen Standards
„Crazy London Jazz“: Mark Lockhearts kammermusikalisches Trio „Malija“
Groove und Finesse: Die neue CD des Schlagzeuger Bill Stewart
Zwischen Songstruktur und Freiheit: Das experimentelle Duo „Lily Joel“ aus Paris und Brüssel
Am Mikrofon: Odilo Clausnitzer
Jazzfacts vom 3.12.2015

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"B. B. King & Band"
Konzertmitschnitt vom 24. Januar 1968, Glocke, Bremen
70 Jahre Radio Bremen: Wir halten einen Rückblick auf ausgewählte Mitschnitte. Aus dem Konzert vom großen amerikanischen Bluesmann B. B. King im Januar 1968, das damals in der Bremer Glocke stattfand, senden wir einen Ausschnitt.
Im September dieses Jahres wäre er 90 geworden: B. B. King, der große Bluesmann aus den Staaten, einer der populärsten Botschafter dieser großen Musiktradition. Jahrzehntelang war der Sänger, Gitarrist und Bandleader ein Sympathieträger des Blues – und einer seiner einflußreichsten Vertreter.

Schon die frühen Aufnahmen des leidenschaftlichen "Blues Boy" aus dem US-amerikanischen Süden hinterließen markante Spuren. Unter denen, die sich an ihm orientierten, waren auch viele junge Musiker der Beat- und Rockgeneration aus Großbritannien. Bis ins hohe Alter stand beziehungsweise saß Riley B. King auf der Bühne, wo er auch immer wieder blutjungen Talenten eine Plattform bot. Am 14. Mai dieses Jahres ist er verstorben. Radio Bremen war Anfang 1968 bei einem B. B. King-Konzert in Bremens altehrwürdigem Konzertsaal Glocke dabei.
B. B. King & Band

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Montag, 7. Dezember 2015
"Glen Hansard"
Radiokonzert vom 1. September 2015 und
Konzertmitschnitt vom 14. Juli 2012, Weltbühne-Zelt, Breminale
In Erinnerung ist sicherlich noch vielen Breminale-Besuchern sein Auftritt im Juli 2012, als die Zuhörer in Trauben rund um das Weltbühne-Zelt standen und voller Begeisterung Hansard und seine Band feierten. Nun gab er im September das erste Radiokonzert im Nordwestradio-Studio. Wir senden beide Mitschnitte.
Der irische Singer/Songwriter Glen Hansard hat einen Oscar im Schrank. Den bekam er (zusammen mit seiner musikalischen Partnerin Marketa Irglova) im Februar 2008 für einen Song aus dem irischen Independent-Films "Once". Der "kleine" Streifen, der zum internationalen Überraschungserfolg wurde, erzählt die Geschichte einer Begegnung verwandter Seelen in Dublin. In der männlichen Hauptrolle: Glen Hansard als ambitionierter Straßenmusiker.

Filmerfahrung hatte Hansard schon früher gemacht: Er gehörte zur Besetzung von "The Commitments", des weltberühmten Kinostreifens über eine irische Soulband. Etwa zu jener Zeit gründete er "The Frames", über viele Jahre seine musikalische Heimat. Mittlerweile ist Glen Hansard als Solist unterwegs.
Mit Leib und Seele Musiker
Der Mittvierziger aus Dublin ist Musiker, ist Sänger und Songwriter mit Leib und Seele. Ein Mann, der von einer jederzeit spürbaren Leidenschaft angetrieben wird. Anfang September stattete er dem Nordwestradio einen exklusiven Besuch ab. Begleitet von Bassist Lorcán O'Dwyer stellte er live im Studio einige Songs seines neuen Albums "Didn't He Ramble" vor. Gut drei Jahre zuvor, im Sommer 2012, hatte er mit Band ein fulminantes Konzert für das Nordwestradio auf der Breminale gegeben.
Glen Hansard

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Samstag, 5. Dezember 2015
"Mit anderen Augen" Hörstück von Helmut Oehring (!!!)
Nach seiner dokumentar-poetischen Autobiografie "Mit anderen Augen. Vom Kind gehörloser Eltern zum Komponisten" mit Samples und Ausschnitten aus seinem kompositorischen Gesamtwerk
"Radiokunst ist nichts anderes als : Wörter in die Luft. Klangbilder durch die Luft. Radio: ein Gehäuse, eine Behausung für das Unbehauste.
Ich empfand meine Kindheit immer schon als seltsam. Wenn ich mich daran zurückerinnere, bleibt Kindheit mir als ein Bild und Gefühl von etwas, was ich unheimlich nennen würde. Kindheit – unheimlich. Vielleicht wie Radiohören unter der Bettdecke. Radiohören unter der Bettdecke ist auch unheimlich.
Manchmal nur heimlich. Alles, was nach der Bettdecke kommt, der Tag oder das Erwachsensein, ist ein ständiger Kampf: Es muss hin und wieder diesen Schrei geben. Und dieser Schrei bewegt oder zerreißt den Vorhang, der uns möglicherweise von der Wahrheit trennt – von der 'Unwirklichkeit der Realität und der Verheißung, dass der Felsen der Welt auf dem Flügel einer Elfe gegründet ist' (Scott Fitzgerald). Musik ist ein solcher Schrei. Sonnenfinsternis im Moment entstehender Stille und Stummheit." Helmut Oehring.

Mit anderen Augen In Flac

Sound-Realisation und Klangregie sowie kompositorische und dramaturgische Mitarbeit:
Torsten Ottersberg/GOGH surround music production
Textfassung:
Stefanie Wördemann
Komposition, Regie und Realisation:
Helmut Oehring
Produktion:
Eine Autorenproduktion für den Südwestrundfunk 2015
Redaktion: Manfred Hess
Sprecher:
Hagen Klennert, Torsten Ottersberg, Helmut Oehring, Jurek, Anton, Mia und Joscha, die gehörlose Solistin Christina Schönfeld und der Gebärdendolmetscher Uwe Schönfeld
E-Gitarren:
Daniel Göritz und Jörg Wilkendorf
In den Samples und elektronisch bearbeiteten Originalausschnitten aus seinem kompositorischen Gesamtwerk wirkten mit:
die Vokal-, Gebärden- und Instrumentalsolisten Gabriela Arndt, Rolf Borch, Elena Casoli, Gerlinde Demel, Uwe Dierksen, Alexandra Gioranna, Hannes Hellmann, Salome Kammer, David Moss, Alwynne Pritchard, Arno Raunig und Kai Wessel sowie die Klangkörper Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin und Rundfunkchor Berlin, Ensemble Vertigo Bern, Kammerensemble Neue Musik Berlin, Norwegisches Rundfunkorchester Oslo, Quatuor Sine Nomine, Les Percussions de Strassbourg, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg sowie SWR Vokalensemble Stuttgart.

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